Die Redaktion präsentiert jeden Dienstag die Geschichten, die sie bewegt, aufgerüttelt oder zum Nachdenken angeregt hat.
Meta, der Konzern hinter Facebook, Instagram, WhatsApp & Co, wird dieses Jahr zwischen 70 und 72 Milliarden Dollar für KI ausgeben, darunter sind auch Investments in zwielichtige Firmen. Dieses Geld will auch im Hause Zuckerberg zuerst einmal verdient werden. Um diese Einnahmen nicht zu gefährden, liefert man seine Kunden gerne mal wissentlich Betrügern aus, wie Reuters ausführlich berichtet. So sollen den Nutzer:innen täglich 15 Milliarden sogenannte «higher risk ads» präsentiert werden, also rund 170 Werbeeinspielungen pro Sekunde, welche klare betrügerische Anzeichen aufweisen.
Jetzt ist es nicht so, dass diese Betrügereien alle unter dem Radar von Meta durchsegeln, im Gegenteil. So müsste schon ein kleiner Fisch 8 Verwarnungen («strikes») kassieren, bis seine Finanzbetrügereien gesperrt werden. Und grosse Fische werden zum Teil erst nach über 500 (!) Verwarnungen gesperrt.
Meta ist hier so «grosszügig», weil das Business lukrativ ist: alleine vier der grössten betrügerischen Werbeaktionen haben Meta dieses Jahr 67 Millionen Dollar in die Kasse gespielt – monatlich. Insgesamt sollen Scam Ads 10 % der Einnahmen von Meta ausmachen und seien für die KI-Projekte unentbehrlich.
Natürlich wirken sich die Meldungen der Nutzer gegen Scam-Ads bei Facebook und Co. aus, aber nicht so, wie die meisten von uns denken: Meta erhöht einfach die Preise für diesen Werbekunden. Und reduziert das Personal für die Review-Prozesse.
Es ist davon auszugehen, dass sich das Geschäft für die Scammer lohnt und dass sie ein Mehrfaches dieses Betrags von ihren Opfern einnehmen (wir verwiesen vor zwei Wochen über deren globale Ausbeutungsnetze).
Jede Minute in einem Meta-Produkt und jeder Klick auf Werbung ist also ein Gewinn für Meta und – mehrfach – für die Scammer. Und eine Scam-Meldung der User zahlt sich für Meta gleich doppelt aus.
Mit jeder Minute bei Facebook, Instagram, Threads oder WhatsApp unterstützt ihr also eine Firma, die wissentlich von der Unterstützung der organisierten Kriminalität profitiert. Und ihr unterstützt damit auch die organisierte Kriminalität.
Aber mit etwas Glück gibt es vielleicht 2027 ein paar zahme Massnahmen zur Plattformregulierung, bislang ohne die Forderung, Einnahmen aus solchen Betrügereien an Opferschutzorganisationen zu spenden. Bis dahin kann sich Meta aber weiterhin eine goldene Nase verdienen an diesen globalen Betrugsnetzwerken.
Was für eine Welt!
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ToggleWetten, dass … die Blase platzt?
Inzwischen sind die ersten grossen Wetten eingegangen, dass die KI-Blase demnächst platzt. So hat Michael Burry – der bereits auf das Platzen der US-Immobilienblase 2008 gewettet und gewonnen hatte – jetzt eine Milliarde US-Dollar gewettet, dass die KI-Blase demnächst platzt. Seine Wetten gehen gegen Nvidia, das in seltsame Kreislaufinvestitionen verwickelt ist, und gegen die umstrittene Big-Data-/Ki-Plattform Palantir.
Zum Frühstück Milch und Werbung
Nach einer Pilot-Phase, in welcher die Idee mehrheitlich auf Ablehnung stiess, macht Samsung jetzt ernst und beginnt zumindest in den USA damit, auf den Displays der «Smart Fridges» Werbung auszuspielen. Oder wie Samsung das in einer Pressemitteilung schreibt: « … zeigt nützliche Alltagsinformationen wie Nachrichten, Kalender und Wettervorhersagen sowie kuratierte Werbung an». Was an Werbeplätzen kuratiert sein kann, welche an den Meistbietenden verkauft werden, weiss vermutlich nur Samsung. Immerhin betont das Unternehmen, dass keine personalisierte, auf Kundendaten basierende Werbung ausgespielt werde.
Das ist allerdings ein schwacher Trost, da diese Zusicherung vermutlich ein Ablaufdatum hat und sich das früher oder später ändern wird. Schliesslich ist es erst sechs Monate her, dass Samsung gegenüber The Verge (archive.is-Link) bestätigte, keine Werbung zu planen («[Samsung] confirmed that they currently don’t have ads and have no plans regarding the inclusion of advertisements on AI Home screens’»).
Andere Anbieter von «smarten» Geräten mit Online-Anbindung werden die Entwicklung und die Benutzerakzeptanz vermutlich genau beobachten. Und es braucht keine grosse Kristallkugel um vorherzusagen, dass viele davon diese «Innovation» baldmöglichst kopieren werden.
Und schliesslich:
- Dass das Internet vor der Dominanz von Facebook und Co. eine völlig andere, chaotischere, aber auch spannendere Umgebung war, geht immer wieder mal gerne vergessen. Daran erinnert haben wir uns vor ein paar Tagen, als wir über einen Artikel zu singenden Bus-Hörnern auf West-Sumatra stolperten. Einerseits völlig unnützes Wissen, andererseits ein faszinierender Lese- und Hörgenuss.
- Passend dazu: «Soziale Medien haben das «sozial» verloren» lautet ein Zwischentitel im Artikel «The algorithm is a king, but it is a naked king» (Der Algorithmus ist König, aber er ist nackt), in dem der Autor von seinem Selbstexperiment berichtet, zurückzufinden zu einem Internet, bei welchem soziale Interaktionen wieder etwas wert sind.
- Elon Musk möchte eine Roboterarmee bauen und diese «stark beeinflussen» können, berichtet Sascha Pallenberg. Und erzählt auch über den Druck, den der Wunsch nach 1 Billion Dollar erzeugen könne: Nämlich dass selbstfahrende Autos oder humanoide Roboter auf die Welt losgelassen werden, noch bevor sie sicher sind. Einfach, um sich das Geld zu sichern.
- KI-Firmen sind intensivst auf Geldsuche und schrecken auch nicht davor zurück, sich in Widersprüche zu verstricken. So will OpenAI Geld von der US-Regierung, aber natürlich nicht für sich, sondern nur für seinen Grossinvestor Nvidia. Und Nvidia wiederum sagt, man müsse sich davor schützen, dass die Chinesen bei KI die Oberhand vor den USA gewännen. Und wollen gleichzeitig ihre Chips nach China verkaufen, wie Sascha Pallenberg plastisch gegenüberstellt.
- Das FBI hat vom dafür verantwortlichen Domainregistrar gefordert, Informationen über die Betreiber von archive.is (auch bekannt unter anderen Top-Level-Domains wie archive.today) herauszugeben. Archive.is wird – neben dem Internet Archive (archive.org) – von etlichen Webseiten benutzt, wenn eine zitierfähige Version des Inhalts beibehalten werden soll, so auch von Wikipedia. Archive.is kann anders als Archive.org auch Seiten archivieren, deren Inhalt dynamisch ändert; beispielsweise, wenn die Webseite den Text zuerst an den Browser ausliefert und danach aber ausblendet. Die Betreiber des Archivierungsdienstes halten sich bedeckt.
- Wer nicht nur über Digitalpolitik lesen will, sondern sie auch erleben oder gar prägen möchte, für den gibt es interessante Veranstaltungen: Am Freitag, 28. November findet das Datenschutzfestival der Digitalen Gesellschaft in Zürich statt. Und am 20./21. Februar findet der Winterkongress der Digitalen Gesellschaft statt, bei dem wir von DNIP regelmässig Vorträge halten. Wer auch etwas zu Digitalthemen zu erzählen hat, kann sich noch bis 7. Dezember für einen der Vortragsslots bewerben.
Zitat der Woche
Where Chrome is built to capture, monetize, and improve Google search, Atlas is built to do the same for ChatGPT.
Casey Newton über die überbordende Anzahl KI-Browser, die gerade auf den Markt schwemmen.

